Militärische, kriegerische Ereignisse im Zusammenhang mit

den Familien Enneper und Moll

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  1. Allgemein

Angehörige der Familie Enneper lebten wohl bereits von ca 700 / 800 bis ca 1800 in Halver an dem Fluss Ennepe auf dem gleichnamigen Hofe (an der B 229 zwischen Halver und Radevormwald).
Hierbei dürfte es sich um eine Gründung von fränkischen Militärkolonisten handeln. Der Hof hatte den Status eines Freigutes. Das Freigut war kein freies Eigentum des Besitzers im heutigen Sinne; es war vielmehr Erbleihgut.
(Jung, Alfred, Halver und Schalsmühle, 1978, S. 190f)
Belegt wird dieses u.a. durch die Tatsache, dass die ehemals fränkischen, jetzt bergischen Höfe, die in der Grafschaft Mark lagen, eine eigene Gerichtsbarkeit (bis ca 1700) und steuerliche Sonderregelungen (bis ca 1800) hatten.

Über diese sicherlich bewegten, frühen Zeiten gibt es zur Familie keine Dokumente. Die erste schriftliche Erwähnung findet sich 1410 im Urkundenbuch des Stiftes St. Gereon zu Köln.

Danach zahlen die Güter Ennepe (wohl 2 Höfe) 16 Mauren (kleine Münze) und ein Huhn und für den Vogt 4 Denare.
Der Hintergrund ist wohl, dass geringe Freie durch ihre Übergabe(Tradition) ihres Hofes an ein Kloster für ihre Person und ihr Besitztum Schutz gegen Gewalttätigkeiten suchten im Hinblick auf das abnehmende Ansehen des König und den Mangel eingreifender Gesetze.
(Jung, Alfred, ebda, S.226f und der Verfasser: Der Hof Ennepe -seine Geschichte von 1410 bis 1800, in „Roland“ Band 9, Hefte 11 und 12 von 1994)
Der sogenannte „Ewige Landfrieden“, der Privatfehde und gewaltsame Selbsthilfe verbot, wurde erst 1495 vom Reichstag beschlossen. Am 9.9.1588 verkauft St.Gereon den Oberhof Eichhofen mit Nieder Ennepe für 2 000 einfache Taler an Herrmann von Edelkirchen.

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II Heberegister über allgemeine Türkensteuer von 1557
(Pälmer, Dietrich: Die Einwohner des Kirchspiels Halver im Jahre 1557, in „Der Märker“, 1954, S. 93f)

Wien wurde 1529 zum ersten Mal von den Türken vergeblich belagert. Das damalige Heilige Römische Reich Deutscher Nation wollte Vorbereitungen gegen einen nochmaligen, zu erwartenden Angriff treffen. Diese militärischen Abwehmassnahmen wurden durch Erhebung einer speziellen Steuer finanziert. Es handelt sich hier um eine Realsteuer, das heisst, der Grundbesitz wurde belastet. Bei der Festsetzung der Steuer wurde durchaus auch die unterschiedliche Leistungsfähigkeit berücksichtigt. Im Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486, in dem leider der Teil Altena/Halver fehlt, beläuft sich die Belastung auf 4% bei Höfen mit einem geschätzten Geldwert von unter 200 Gulden und 3% von über 200 Gulden. Schatzanschläge von einem Gulden und darunter betrafen in der Regel Kotten, Handwerker, Hirten usw. (Timm, Willy: Schatzbuch der Grafschft Mark 1486,Stadt Unna , 1986, S.10 ff)
In der Türkensteuerliste von 1557, die nach ähnlichen Kriterien wie die Schatzliste von 1486 aufgebaut sein dürfte, werden u.a. aufgeführt:

Peter tor Ennepe 1ggl.

Jorgen tor Ennepe 1ggl.

des Richters erve

tor Ennepe 4ggl.

Hier ist gleichzeitig auch ein bergischer Richter dokumentiert, der ebenfalls für damalige Verhältnisse einen merklichen Beitrag leisten musste(Wert des Hofes ca 100 Gulden).
In einer Urkunde von 1532 erfahren wir den Namen des Richters mit „Johann zur Ennepe“.
Die bergische Gerichtsbarkeit in Halver ist – wie bereits erwähnt - im letzten Viertel des 17.Jahrhunderts erloschen.

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  1. Kriegerische Ereignisse zwischen1568 und 1648

Waren die kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Türken noch weit entfernt und wirkten sich zunächst nur durch finanzielle Belastungen aus , bedrohten der Spanisch-niederländische Krieg (etwa 1568 -1600), der jülisch-klevische Erbfolgestreit (etwa 1609- 1616) und vor allem der Dreissigjährige Krieg (1618 bis 1648) direkt durch zahlreiche Plünderungen und Kontributionen. Hinzu kamen noch Pestjahre , so dass etwa in Halver von den um 1600 bestehenden Höfen 215 Höfe 139 (106 märkische und 33 bergische (d.h. ca 65 %) „wüst sind“ ,d.h. Opfer des Krieges oder der Pest geworden sind. (Jung, Alfred, ebda, S. 285ff)
Die uns vorliegenden Berichte über diese Greuel enthalten keine Hinweise auf den/die Höfe Ennepe, so dass davon ausgegangen werden kann, dass sie – und die Bewohner - diese schwierigen Zeiten einigermassen überstanden haben.
(Schmidt,Alfred; Die Höfe im Kirchspiel Halver zu Ende desDreissigjährigen Krieges, im „Süderland“, Nr. ,1 von 1932, S.8 ff und Dresbach, Ewald, Chronik und Urkundenbuch der Kirchengemeinde Halver, 1898, S. 84 ff (Nachrichten aus der Zeit des Dreissigjährigen Krieges)
Seit 1609 gehörte die Grafschaft Mark faktisch zu Preussen. Aber aufgrund der damaligen exponierten Lage war ein militärischer Schutz nur schwer möglich. Preussen versuchte die Verteidigung 1632 durch Aufstellung von Schützenkompanien zu verbessern.
Eine Musterungsliste aus dem Jahre 1676 ist erhalten geblieben und enthält 149 Namen.
(Bilder und Geschichten aus Halver,1986, S. 26 f (Schützenmusterung im Jahre 1676))
Die Schützen wurden in Rotten zu 6 Mann eingeteilt. Die betreffende Rotte von dem Bereich Ennepe lautete:

„Claus zu Creimendthal – zur Eschen – Johann zum Walde – Peter daselbst -

Niedern Ennepe – Hießen Eichhoffe -.“

 

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Warum der betreffende Schütze von Niedern Ennepe namentlich nicht genannt wird, ist nicht zu erkennen. Der hier erwähnte Schütze „Johann zu Walde“ ist ein direkter Vorfahr (Ahn 10 1028, geb. ca. 1640, +Nov. 1685, oo 20.2. 1685 mit Bertha Lausberg Tochter von Wilhelm Lausberg).
Der militärische Wert dieser Miliz war aber nur begrenzt.

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  1. Die Zeit von 1649 bis 1763 -Ende des Siebenjährigen Krieges-

Die Grafschaft Mark kam endgültig 1666 zu Preussen. Aber auch dann war keine Ruhe, denn Ludwig XIV. von Frankreich erhob Ansprüche auf Teile der Niederlande. Friedrich Wilhelm von Brandenburg war mit Holland und England verbündet, die aber vor den Franzosen zurückwichen. Französische Truppen fielen in den Jahren 1672/74, 1678 und 1681 in das Kirchspiel Halver ein, und die damit zusammenhängenden Steuerforderungen, Kontributionen, Fouragelieferungen, Einquartierungen und dgl. drückten sehr.
Erst durch den Frieden von St. Germain zwischen Brandenburg und Preussen hörten die Drangsale langsam auf .
Allerdings gingen andererseits zunächst die Zwangsrekrutierungen durch Preussen weiter. (Beginn der Wehrpflicht unter Friedrich Wilhelm I mit Befreiung für Erben eines Bauerngutes, Drahtzieher und Osemundzieher – Beurlaubung der Soldaten von Herbst bis Frühjahr ca 9 Mon.)
Durch Zahlung von jährlich 15.000 an die Rekrutenkasse in Berlin wurde Halver und andere märkische Orte 1748 vom Militärdienst befreit. So hat sich 1755 Joh.Pet. Enneper, Hohenplanken, durch Zahlung einer Kaution vom Militärdienst befreien können.
Diese Regelung wurde erst 1806 von Napoleon aufgehoben.
Die Freistellung vom Wehrdienst stoppte die Abwanderung junger Männer und führte zur wirtschaftlichen Belebung.
Daneben warben die Regimenter allerdings auch selbständig und direkt. Bei einer Zwangswerbung 1760 in Breckerfeld hat der „Krugmann den Johan Peter von der Enpe zu Obern-Ehrinhausen dergestalt mit dem Stocke an den Kopfe geschlagen, dass er zur Erden gesunken.“
(Gewaltwerbung in Breckerfeld 1760, in Zeitschrift „Süderland“, 1938, S. 94ff)

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Nun noch einige Beispiele von Soldaten während dieser Zeit in der Familie:
In 1737 heiratet Joh.Henr. von der Nieder Ennepe zun Hohenplancken (ebenfalls Halver), Sohn des Joh.Pet. -Soldat unter dem hochlöblichen Lepschen Regiment – Anna Catharina Bergfeld aus Berken bei Halver.
Am 9.5.1767 stirbt unter Officier Joh.Pet. Auf den Hohenplancken 49 Jahre 4Mon. an“Zehrung“.
Am 24.5.1750 wird seine Tochter Catharina Gertraud getauft.
Der Siebenjährige Krieg brachte erneute Opfer.
(Siehe hierzu Kohl, Rolf Dieter: Der Siebenjährige Krieg im Kirchspiel Halver; Aufzeichnungen des Gastwirtes und Zolleinnehmer Peter Adam Asbeck aus den Jahren 1757 und 1762, Der Märker, Heft von 1987, S. 25 ff)
Konkrete Unterlagen zur Familie liegen m.E. nicht vor.
Nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges (1763) trat endlich für etwa 30 Jahre Ruhe ein.

Der wirtschaftliche Aufschwung gerade in Halver war ausserordentlich positiv. (Jung, Alfred, ebda. S.295)

Bei der Gelegenheit ist zu erwähnen, daß ein Vorfahr meiner Großmutter Klara Zier (geboren in Kirchheiligen/Thüringen am 20.7.1880, gestorben in Düsseldorf am 8.3.1924) ebenfalls Soldat war. Die Heiratseintragung in Kirchheiligen lautet:

    "Anno 1774 George Ziehr, ehemaliger Dragoner unter dem löbl. Graf Renardschen Regiment de Chevaux Leger (sic!) unter dem H. Capitän v Wilcken darunter habende Compagnie itzo Einwohner allhier weyl. George Wilhem Ziers gewesenen Einwohner und Jäger zu Eisenheim im Würtzburgischen, nachgelassen einzigen Sohn, juvenis, ist mit Frau Barbaren Christinen Heucken (Barbara Christine Steinbach, * 15.2.1749, Vater Joh. Paul Steinbach oo Kath. Elis. Müller), Hans Georgs Heucks gew. Einwohner allhier hinterbliebenen Witwe d.20. post Trin. prokl. d.am 30.10. nach der Vesper öfftl. copuliert"

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  1. Napoleons Rußland-Feldzug 1812/13 und Freiheitskriege

Am 4.6.1812 überschritt die Grande Armée mit 684.808 Mann die Grenze nach Russland.
Darunter befanden sich aus 27.832 westfälische und etwa 5.000 Bergische Soldaten; hiervon kehrte nur ein kleiner Teil zurück; das westfäische Korps wurde völlig vernichtet.
In Russland (Tula) gefallen ist auch Peter Heinrich Enneper (* 31.7.1790 zu Niedern Langenscheidt, Halver, Vater Johann Henrich).
(Overkott, Franz: In Rußland Vermisste aus Rheinland und Westfalen nebst angrenzenden gebieten „1812 -13“, 1963, S. 7 ff (Er gehörte zum 2. Berg. Inf. Regt.))
Der Rückzug insgesamt war u.a. auch deshalb so verlustreich und chaotisch, weil mehr als 40.000 Fahrzeuge aller Art mit Beutegegenstände statt mit Verpflegung beladen waren
(Rothenberg, Gunther, Die Napolenischen Kriege,1999, S. 169 ff)
Ein direkter Vorfahr aus Retterode (Hessisch-Lichtenau) – Caspar Hollstein - (* 11.9.1788, oo 23.3.1817 Catharina Magdalena Vaupel) hat als Husar im Kurfürstlichen Husarenregiment am Befreiungskrieg teilgenommen. Eine Ehrentafel in der Kirche von Retterode lautet:

„Namen der genigen Krieger welche mit Gott für Fürst und Vaterland fechten“

.........................

Kaspar Hollstein bei den Husaren

........................ (Festschrift „ Retterode 1209 – 1984“, S. 158)

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          VI.Zeit 1815 bis 1914

Nach den Freiheitskriegen folgte eine lange Friedenszeit. Von den Kriegen 1864, 1866 und 1870/1 bliebt Halver verschont.
Ein Familienzweig in Iserlohn war jedoch durch Teilnahme eines Familienmitgliedes direkt betroffen.

Erste Seite Entlassungschein vom 1.Sept. 1860

(Er hat dann doch noch an den Feldzügen 1866 und 1870/71 teigenommen) -

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  1. Der erste Weltkrieg 1914 / 18

Der erste Weltkrieg traf auch wieder die Familien direkt.
Mein Grossvater mütterlicherseits -Friedrich Carl Neumann -musste daran teilnehmen, obwohl er bereits bei Kriegsausbruch bereits 44 Jahre alt war. Bei seiner Demobilmachung am 29.11.1918 war er Unteroffizier.

Der Wehrpass ist noch erhalten:

                          

 

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Eine Kousin meiner Mutter - Carl Kurt Karrasch – wurde 1916 Sodat und kam ab Januar 1918 zu den Fliegerscharfschützen:

  Kurt Karrasch (untere Reihe rechts)



   Feldpostkarte vom 20.4.1916

 

  Nach dem Kriege war er angesehener Kapellmeister.

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Der Grossvater meiner Frau - Ernst Julius Moll (geb. Heven 23.4.1868, gest.Opladen 14.9.1940), der nicht Soldat war, konnte es nicht vermeiden, einen Orden zu erhalten. Die Unterschrift ist von Graf Kanitz (12.7.1917).

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VIII. Der zweite Weltkrieg 1939 bis 1945

Noch gravierender waren die Auswirkungen des II. Weltkrieges, den der Verfasser als kleiner Junge selbst noch miterlebt hatte.
Ein Familienzweig aus Wuppertal (Barmen), der von Halver über Remlingrade als Konditor in diese Stadt gekommen war, hatte 5 Söhne; davon ist der jüngste als Leutnant in Stalingrad gefallen. Sein Bruder war Hauptmann und Bataillonsführer. Seine Spuren finden sich sogar noch im Internet (Panzergrenadier.onlinehome.de ; betrifft Schützenregiment 126 bei 23.Panzer-Division); er ist ebenso gefallen wie ein weiterer Bruder.

               

Ebenfalls gefallen ist mein Onkel und Pate „Otto Enneper“ (*7.3.1911, + Dez.1941) vor Leningrad (jetzt wieder Petersburg); er war gelernter Bankkaufmann und Unteroffizier bei einer Artillerieeinheit.

Seinen letzten Briefe an seinen Bruder – meinen Vater – und an seinen Vater folgen als Dokumente zur Verdeutlichung der Situation ; mein Vater war zu der Zeit ebenfalls Soldat auf Sizilien (Einheit der Luftwaffe vom Afrika-Korps):

Briefe (Originale in Sütterlinschrift liegen vor; wörtliche Übertragung wegen besser Lesbarkeit)

 

Letzte Brief meines Onkels Otto an seine Eltern

         vom 6.12.1941, gestempelt  11.12.1941

 

 

„Liebe Eltern!

 Weihnachten steht vor der Türe. Es ist das
3. Weihnachtsfest in diesem Kriege. Voriges
Jahr durfte ich dieses Fest zu Hause feiern.
Dieses Mal hat es das Schicksal anders bestimmt.
Während bei Euch die Weihnachtsglocken läuten
Friede auf Erden werden bei uns die Kanonen
das Gegenteil verkünden wollen. Für manchen
wird dieses Fest in diesem Jahre nicht
die Freude bringen, da manch einer
im lieben Kreise fehlt. So werde ich
dann dieses Mal das Weihnachtsfest im
fernen Osten feiern müssen, falls uns
der Russe dazu Gelegenheit gibt. Der
Russe ist hier immer noch sehr aktiv.
Er läßt uns wenig Ruhe. Inzwischen
ist es wieder sehr kalt geworden. Täglich
25° bis 30°. Viele haben schon Erfrierungen
gehabt. Ich laß mir sämtliche warmen
Skisachen von Anneliese schicken, denn
unsere Bekleidung ist dieselbe wie sonst
auch. Wenn es jetzt schon so kalt ist,
was soll da erst noch später werden.
Der Russe ist bedeutend besser bekleidet.
Er trägt Filzstiefel, dicke gefütterte Hosen u.
Pelzmützen. Trotzdem wird er immer wieder
abgewiesen und wenn er schon manchmal
schon in unserem Rücken steht. Augen-
blicklich kommt hier jeden Tag der
Weihnachtmann. Unzählige Pakete trudeln
hier ein. So haben wir jeden Tag Weihnachten.
Verwahren kann man die Sachen nicht,
denn wer weiß, wo wir Weihnachten
sind. Der Russe braucht die Sachen ja
auch nicht zu bekommen. Ich wünsche
Euch ein gesegnetes, frohes Weihnachtsfest
und gleichzeitig ein gesegnetes, glückliches
neues Jahr.

         Es grüßt herzlich Euer Otto

 

Letzter Brief meines Onkels-Otto Enneper an seinen Bruder Emil

Dieser Brief schildert wohl offener die Ver-

hältnisse in Rußland als Briefe an Eltern.

Denn mein Vater war zu der Zeit ebenfalls

Soldat.

 

„33956 D            den 28.11.1941

               Lieber Emil

Heute erhielt ich Deinen Brief vom 14.11. Ich habe mich

sehr gefreut wieder von Dir zu hören. Ich hatte Dir be-

reits auf Deinen ersten Brief hier geschrieben und mich

      darin bedankt für die Zigaretten, die Du mir danach ge-

      schickt hattest. Der Brief kam zurück, da Du bereits 
versetzt warst. Ich hole dies dann hiermit nochmal nach.
Nun will ich Dir einiges von mir erzählen.

      Zunächst kann ich Dir mitteilen, daß mir am 23.11.

      das EK II.Klasse verliehen wurde. Wir liegen von 
Anfang an immer noch im Einsatz im Norden an der

      Bahnlinie Leningrad und Moskau vor Malaja Wischera,

      das wir bereits genommen aber wieder aufgeben mußten.
Wir haben hier immer gegen eine Übermacht kämpfen
müssen und befinden uns auch augenblicklich

      in der Verteidigung. Es ist hier ein unwegsames Gebiet.

      Wald, Sumpf und schlechte Wege wechseln miteinander ab.
Wir sind bevor die Kälte einsetzte bald

      bis an die Knie im Schlamm gewatet. Die Strassen be-

      stehen hier nur aus Knüppelstämmen. Trostlose Gegend

      hier. Hier können Panzer gar nichts machen. Der Infanterist
ist ganz auf sich selbst angewiesen. Nur was er hier geleistet
hat ist einmalig. Der Russe sitzt hier

      ...  vorne hinten und überall. Darum ist er mal hier und

      dann dort durchgebrochen.  

      Es waren von Anfang an immer schwere Kämpfe gewesen,
womit wohl keiner gerechnet hat . Und der

      dichte Wald brachte viele Verluste für uns. Hier im

      Norden werden wohl die meisten gefallen sein. Was

      können wir froh sein keine Infanteristen zu sein.

      Davon hätte jeder hier das EK I verdient. Jetzt ist es

      hier bitter kalt geworden. Außerdem nehmen die

      Läuse überhand. Da denkt man gerne zurück an die

      Räumlichkeiten zu Hause. Wie lange habe ich schon

      kein Bett gesehen oder mal ein richtiges Bad nehmen

      können. Aber es kommt ja  nochmal die Zeit wieder

      und dann wollen wir nie wieder klagen. In einer Zei-

      tung las ich die Todesanzeige von Theo Hülsmann.

      Er ist hoch im Norden gefallen. Ja manch guter Be-

      kannter wird später in der Heimat fehlen. An Urlaub ist

      hier gar nicht zu denken. 9 Monate von zu Hause  ist

      doch schon eine lange Zeit. Sonst geht es mir noch

      gut. Von den Eltern erhielt ich heute ein Paket mit

      Kuchen, um den ich gebeten hatte. Du wirst auch etwas

      Bekommen haben. Ich wünsche Dir ein fröhliches

      Weihnachtsfest.            

        Es grüßt herzlich

               Dein Bruder Otto

      Ich schreibe bald wieder

 

           

Letztes Foto meines Onkels Otto Enneper   (zweiter von rechts) am 16.10.1941 (Datum auf der Kiste) vor Lenin-
grad -jetzt wieder Sankt Petersburg-.
Das Foto belegt, dass trotz Winter (es liegt bereits Schnee) keine Winterausrüstung vorhanden war.


Todesanzeige Otto Enneper

Todesanzeigen

Letzte Karte Otto Enneper


Letzte Postkarte Otto Enneper

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Urkunde wegen Winterspende:

Diese Winterkleidersammlung kam zu spät, da die Nazis zu feige waren, die wahre Situation dem Volke mitzuteilen.

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Weiterhin ein Brief meines Grossvaters Robert Enneper nach dem Pfingstangriff 
11./12.6.1943 auf Düsseldorf. Mein Grossvater ist 20.3. 1874 in Altena/Westf.
geboren und 2.4.1949 in Ratingen gestorben.

Brief meines Großvaters Robert Enneper an seinen Sohn Emil

Lieber Emil!                                                 Düsseldorf, den 6.7.1943

Ich habe gestern meinen Urlaub angetreten. Mutter ist augenblicklich nach Ratin-
gen , und da nehme ich mir die Zeit, einige Zeilen zu schreiben. Trotz allen Mü-
hen, war es uns nicht möglich einen Platz zu finden, wo wir unsere Ferien ver-
bringen können. Du wirst doch wohl das letzte Päckchen mit Tabak, Zigaretten
und Bonbons erhalten haben. Darin teilte ich Dir mit, daß ich Dir einmal näher
über den letzten Terrorangriff mitteilen wolle. Wir müssen sagen, etwas Furcht-
bares kann man nicht erleben als was wir in der Schreckensnacht mitge –
macht haben.
Ganze Schwärme an Flugzeugen warfen Bombe auf Bombe auf
unsere Stadt. Die Häuser bebten. Das Licht ging aus, so daß wir im dunklen Luft-
schutzkeller saßen. Alle Durchbrüche wurden offen geschlagen. (Anmerkung: im
Keller war in der Mauer zum nächsten Keller ein Durchbruch). Auf einmal hieß
es brennt. Die neben uns liegenden Häuser waren nämlich getroffen und sind dann
ausgebrannt. Nur unser Haus ist verschont geblieben und wir danken Gott,
daß er uns bewahrt hat. Düsseldorf ist nur noch ein großer Trümmer- und
Schutthaufen. Wir können auch hinkommen wo wir wollen, überall ein trostloser
Anblick. In Oberbilk sind die Straßen fast alle erledigt. Die Ellerstraße vom Bahn-
hof bis Kruppstraße ist vollständig dahin. Die Kölnerstr. und sämtliche anderen
Straßen in Oberbilk nur noch Trümmer, wohin man blickt. In den anderen Stadt-
teilen ist es noch viel schlimmer. Die Oststr., Graf-Adolf-Str.,Königsallee. Scha-
dowstr., Bismarck-und Kaiser Wilhelmst.Geht man nach Bilk, Derendorf oder
wohin man will, dasselbe trostlose Bild. Alle öffentlichen Gebäude sind getroffen
worden. Unsere Chistuskirche ist nicht mehr, ebenso Pastor Harbeck sein Pfarr-
haus unser Gemeindehaus vollständig erledigt. Die Johanneskirche, Friedenskir-
che alte und neue Mathäikirche können nicht mehr benutzt werden. Eine große 
Zahl der katholischen Kirchen sind nicht mehr zu benutzen. Das Franzikanerklo-
ster(?) mit Kirche an der Oststr. ist zerstört(?). Die Tonhalle, Kaufhaus Klein und
auch Tietz, dann Parkhotel Breidenbacher Hof, dann Euer Hochhaus Vereinigte
Stahlwerke von oben bis unten von Granaten durchschlagen. Auch das Wilhelm-
Marxhaus vollständig ausgebrannt. Ich kann nicht alles aufzählen. Ein Bild des 
Jammers und ein Greuel der Verwüstung überall wo man hinblickt. 90% der Stadt
ist dahin und Düsseldorf ist nur noch ein Trümmerhaufen. Wieviele haben da
ihr ganzes Hab und Gut verloren und wieviele Familien beklagen ihre Lieben, die
nicht mehr sind. Pastor Schreiner von der Johanneskirche mit seiner Familie im
ganzen 9 Persoenen sind dabei umgekommen. Und wie viele Familien sind sehr
hart betroffen. Wir sind Gott dankbar, daß er uns so wunderbar bewahrt hat. Es
vergeht kaum eine Nacht, in der nicht Alarm ist. Heute morgen um 9 Uhr hatten
wir schon wieder Alarm. So kommen wir aus der Unruhe und Sorge nicht heraus.
Du schreibst, wir hätten schon längst irgendwo anders sein können. Aber ist nicht
so leicht, es ist alles mit den größten Schwierigkeiten verknüpft. Else hat sich mit 
den Kindern auch entschlossen, nach Thüringen zu gehen.
....
Häuser haben auch allerhand mitbekommen. Uns geht es sonst noch gut. Wir ha-
ben von unserer Wohnung zwei Zimmer abgegeben. An Schinger(?) wie die auch
abgebrannt sind. Das Schlafzimmer für Esther ist bei Meutsch (Tante) untergestellt
Möge Gott der Herr Dich und auch uns und alle Lieben auch fernerhin bewahren.

Es grüßen Dich herzlich Deine Eltern

Von dem Päckchen haben wir bisher weiter nichts erhalten

 

Er hat kriegsbedingt bis 14.11.1944 als Betriebsleiter/Obermeister gearbeitet; er gehörte keiner Partei an; er war Kirchmeister und Angehöriger der Bekennenden Gemeinde. Seine abfälligen Äusserungen über Partei und Hitler wurden glücklicher Weise – wie bei meinem anderen Grossvater - Karl Neumann - nicht weitergegeben. Die Nachbarschaft hier am Wohnort Düsseldorf war intakt.

Das gleiche Ereigniss beschreibt auch meine Mutter ihrem Ehemann.

Brief meiner Mutter Else Enneper an ihren Mann Emil

Am traurigen Pfingsten in Düsseldorf im Jahre 1943 geschrieben

„Mein lieber Emil!

Düsseldorf ist keine Stadt mehr, sondern der Engländer hat in eineinhalb Tagen
im wahrsten Sinne des Wortes ein Dorf an der Düssel gemacht. Nur die Vororte
Wersten, Himmelgeist, Eller Lierenfeld und Unterrath sind so einigermaßen ver-
schont geblieben. Furchtbar, grauenhaft, schrecklich war der bisher größte An-
griff, den die Engländer bis jetzt überhaupt durchgeführt haben. Die Stadt ist
aber wirklich weg. Vom Oberbilker Markt bis zum Dreieck, vom Zoo bis zum Süd-
friedhof hat einmal eine Stadt gestanden. Ich glaube, Soldaten werden nie einen
solchen Brandherd, derartige unheimliche Brandwolken gesehen haben, wie es
Düsseldorf  in der schrecklichen Nacht vom 11. zum 12. Juni, von 1 Uhr bis ½  3
Uhr erlebt hat. Am Samstag konnte die Sonne nocht nicht einmal durch die
Brandwolken durchdringen. Die ganze Nacht detonnierten Zeitzünder und Blindgänger
als ob die Flak schießen würde, den ganzen Samstag, die Nacht vom Samstag auf
Pfingstsonntag, am  Pfingstsonntag noch immer nur in größeren Abständen, die
Nacht vom Pfinstsonntag auf Pfingsmontag und am Pfingstmontag waren noch immer
hier und da Detonationen zu hören. Immer mehr Opfer fordernd und immer
Zerstörungen anrichtend. Mein Emil, die Stadt Düsseldorf ist nicht mehr, sie muß
ausradiert werden. Es ist bald nicht zu glauben und doch ist es wahr, leider, der
Heeresbericht gab am 12. Juni bekannt: In der vergangenen Nacht griffen briti-
sche Bomber westdeutsches Gebiet an, vor allen die Stadt Düsseldorf. Durch
Bombentreffer in Wohnvierteln entstanden schwere Verluste und erhebliche Schäden
an Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden. Nach bisherigen Feststellungen verlor
der Feind bei diesen Angriffen insgesamt 54 meist viermotorige Bomber.
Nachträglich wurden 61 Flugzeuge genannt. Der letzte Satz kommt mir ein bisschen
unglaubhaft vor. Auch wurde kein Wort von Kirchen und Krankenhäu-
ser erwähnt. Lügen wollen sie anscheinend doch nicht, denn sie müßten sagen,

daß alle Kirchen ausgebrannt sind. So viel ich weiß ist nur die Kreuzkirche von
allen evg. Kirchen in Düsseldorf verschont geblieben. Die Josefkirche in Ober-
bilk auch, da war am Pfingssonntag noch Gottesdienst gehalten worden. Ich glau-
be auch die Suitbertuskirche, das sind wohl die kath. Kirche von Düsseldorf.

Es steht kein Bahnhof, es gibt keine Hauptpost mehr, aber auch garnichts wie nur
Ruinen, gefährlich und einstürzend, das ist alles , was von der großen Innenstadt noch
übrig geblieben ist. Ja mein Emil, ich muß jetzt noch immer Gott sei Dank sagen, daß
wir in den Bunker gegangen waren. Es war die höchst Zeit, denn wir 
hörten schon kurz nach dem Alarm die ersten Flugzeuge, und der Otto hatte noch
nicht die Schuhe an, den ganzen Weg zum Bunker hörte man, daß sie kamen.
Jetzt kommen die Kinder fertig angezogen ins Bett hinein, nur die Schuhe und der
Mantel muß schnell angezogen werden. Diejenigen, die nicht im Bunker von unserer
Straße waren, haben erzählt: Zum Beispiel Herr Lenz und Herr Beuker, wir
hatten schon mit unserem letzten Stündlein abgerechnet gehabt. Oder Herr
Szikowiak und sein Bruder sagten kurz nach dem Alarm: 99% gaben sie die Hoff-
nung auf, lebend herauszukommen und nur 1% blieb ihnen übrig. Das kam aber
auch daher, auch in unserer Nähe ist leider schon kurz nach dem Alarm und zwar
um 22 Min. vor 2Uhr eine schwere Bombe, die noch eine furchtbare Sprengwir-
kung hatte, gefallen. Wenn Du wüßtest, wie unser Haus aussieht. Als ich nach
Hause kam, mußte ich doch weinen, die Frau Pilgram sagte, Fr. Enneper laßt uns
froh sein, daß uns das Haus nicht abgebrannt ist. Wie sie doch Recht hatte, denn
heute kommt die Esther, denn sie ergötzt sich schon
am reifen Obst, und ruft: Mutti, am letzten Birnbaum liegt eine Brandbombe, die
ist noch nicht ausgebrannt
Es ist wahr, es ist wohl eine einfache Stabbrandbombe aber sie hätte genügt, das
Haus zu vernichten. Und bei Fr. Pilgram(Nachbarin) war eine ausgebrannt. Unser
Herrgott war doch noch gnädig mit uns gewesen. Die Bombe fiel am Kopfende
von Brünes Garten. Meine Eltern können oben nicht mehr wohnen, sie schlafen
jetzt bei Haugs(unser Mieter I. Etage). Ein Bombensplitter hat bei Haugs die
Küchenwand und ein Loch von 20 cm geschlagen,ist in derselben Richtung
weitergeflogen und schlug noch ein Loch gegenüber in der Wand an. Den anderen
Häusern ging es genauso.Durch den Krach und den Staub und die Zerstörungen 
am Haus dachten sie alle, sie kämen nicht mehr heraus.
Mein lieber Vati, sieh zu, daß Du als erster in Urlaub kommst, alles hat
Telegramm(?) geschickt, nur weil Du auf Sizilien liegst war es mir nicht möglich,
und weil wir nicht total geschädigt sind.

Liebe herzliche Grüße sendet Dir Deine Else, Esther der Räuber Otto

 

Hierzu auch ein Antrag auf Entschädigung.


Die Terrorangriffe gegen die Zivilbevölkerung gingen verstärkt weiter. Im folgenden ein Brief meines Großvaters Robert Enneper an seinen Sohn Emil, der als Soldat in Italien eingesetzt war (zunächst bei der Luftwaffe, dann -mangels Flugzeuge- als Infanterist).
 

„Lieber Emil!                                        Düsseldorf, den 31.3. 44

Deinen Brief und Gratulation zu meinem Geburtstage habe ich genau an dem Tage  erhalten und danke Dir recht herzlich für alle Wünsche, dann einige Tage nachher bekam ich dann noch zwei Briefe einer vom 3. und einer vom 5 / III. Du siehst, wie unterschiedlich die Post arbeitet. Das Päckchen mit den Handschuhen habe ich bis jetzt noch nicht erhalten. Dann muß ich Dir mitteilen, daß ich Dir vorläufig nichts schicken kann, da alle Sendungen über 2O  Gramm mit einer Zulassungsmarke beklebt sein müssen. Ich könnte Dir wieder Zigaretten und auch Papier schicken, aber Du mußt mir zuerst diese Marken schicken. Es wird immer schwieriger. Der kleine Otto hat seinen Geburtstag gehabt. Wir haben ihm ein Päckchen mit Bonbons und Gebäck geschickt. Es ist leider nichts anderes zu haben, um den Kindern eine Freude zu machen. Immer müssen wir seufzen mach Ende Herr, mach Ende mit all unserer Not.
Dann muß ich Dir mitteilen, daß wir gestern den 30/III den Onkel Anton Kürten beerdigt haben. Nur drei Wochen ist er krank gewesenn, an der nötigen Pflege hat es nicht gefehlt. Er ist nur 62 Jahre alt geworden.
Er hat doch in den letzten Jahren allerhand mitgemacht. Zuerst das  Bein verloren und dann zweimal ausgebombt und mußte sich eine neue Heimat suchen.
Jetzt ist er allem Erdenleid enthoben.
Wir aber müssen hier noch dadurch, täglich sind wir den Fliegerangriffen ausgesetzt und zwar am Tage und der Nacht. 

Wir haben schon bis vier Uhr morgens im Keller gesessen.
 
Wir sind bis jetzt dem Herrn sei Dank noch verschont geblieben. Wir sind beide noch gesund und munter mit Sehnsucht auf das Ende des Krieges.
Nun sei herzlich gegrüßt und Gott befohlen

                                    Deine Eltern

 

Hier eines Karte meines Vaters Emil Enneper (geb. 3.4. 1908, gest. 16.12.1969) aus Sizilien zu meinm 6.Geburtstag (geb. 28.3.1938):

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Abschliessend eine Seite eines alliierten Flugblattes von 1944, das ich als Junge (6 Jahre) gesammelt und aufbewahrt habe, was verboten war.

Anmerkung: Der ganze Bombenterror gegen zivile Ziele hat den Krieg nicht verkürzt, da die anderen kriegswichtigen Ziele (vor allem Benzinproduktion) zu wenig angegriffen wurden; die Folge war, dass die Kriegsproduktion (Flugzeuge, Panzer etc. ) in 1944 in Deutschland am höchsten war während der Kriegszeit.

 

Der Großangriff der britischen Bomber am 11./12. Juni 1943 auf Düsseldorf wurde mit 783 Flugzeugen gestartet, der Angriff umfasste 686 Flugzeuge, die eine Bombenlast von 1968 Tonnen abgeworfen haben. Abgeschossene Flugzeuge: 38, tote Zivilisten: 1212 (siehe das informative Buch "Der Bombenkrieg 1939-1945", Berlin 2004, 2. Auflage, Seite 257, von Rolf Dieter Müller unter Mitarbeit von Florian Huber und Johannes Eglau - meine Schwiegermutter ist übrigens eine geborene Eglau).

Die (unveröffentlichte) Privataufnahme zeigt einen abgeschossenen alliierten Bomber in Düsseldorf, Kalkumer Strasse.

 

Meine Schwiegereltern - Martha Eglau und Alfred Moll - wohnten in Dortmund, das zu den am meisten zerstörten Städten gehörte. Ein Wiederaufbau Dortmunds erschien damals unmöglich.
Die Wohnung meiner Schwiegereltern wurde total ausgebombt:

Maria Karrasch

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Deutschland hatte sich leichtfertig in den I.Weltkrieg hineinziehen lassen und den II.Weltkrieg begonnen.
Franz Josef Strauß hatte die Lektion zunächst begriffen und gesagt "jedem Deutschen, der ein Gewehr in die Hand nimmt, soll der Arm verdorren". Kurze Zeit später wurde er Verteidigungsminister und setzte sich für die Aufrüstung ein.

Das Foto zeigt Strauß beim Abschreiten einer Ehrenkompanie, bei dem auch der Verfasser als Wehrpflichtiger eingesetzt wurde, 1958 anläßlich der Eröffnung einer Bundeswehrakademie in Hamburg. Rechts hinter Strauß Major von Quast, Kommandeur des Pz.Gren.Btl. 3, Hamburg Rahlstedt (meiner Einheit), links neben Strauß Hamburgs Bürgermeister Brauer, links davon der Generalinspektor der Bundeswehr Adolf Heusinger (einer der Hauptverantwortlichen für Hitlers Krieg gegen die Sowjetunion).





Ehrenkompanie (Panzergrenadiere, die Panzer fehlten noch, da Strauß ein dubioses Geschäft abgeschlossen hatt, siehe u.a. auch "Spiegel" etc) mit Hauptmann Bittorf, Ritterkreuzträger.

 

 

IX.   Orden und Medaillen

Im Laufe der Generationen sind auch diverse militärische Orden und Medaillen in der
Familie angefallen.
Sehr informativ ist das auch dargestellt  www.Zeitspurensuche.de  (Kleine  „Familienschätzchen“
und – erinnerungen); hier werden etwa die gleichen Orden erläutert, die inzwischen einen 
historischen Aussagewert haben.
Ergänzend sei noch das Eiserne Kreuz II. Klasse beschrieben, das mein Onkel Otto Enneper   
im November 1941 vor Lenigrad erhalten hatte. 
Das Eiserne Kreuz wurde am 10.3.1813 vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm III gestiftet und 
war in Preussen die erste Auszeichnung , die ohne Standesunterschiede verliehenwurde.
1939 wurde der bisher preussische Orden zum Reichsorden in vier Klassen:

            Grosskreuz-, Ritterkreuz, E.K.I. und II.Klasse.

Das EK II  wurde in der Wehrmacht millionenfach  verliehen.

Mein Onkel  mütterlicherseits  Karl Neumann   (geb. 3.9.1912 in Düsseldorf) hat das  E.K. II.Klasse
1940 während des sog. Frankreichfeldzuges erhalten. Er war 1932 in die Reichswehr als Berufssoldat
eingetreten.  Am 20.10.1941 schreibt er:“Wir liegen jetzt an der Wolga zwischen Stariza und Rschew ...
Der Ring um Moskau wird gelegt und mit dem Fall von Moskau dürfte es bald aus sein. ...“
Die Post braucht 4 bis 5 Wochen. Am  2.12.1941 schreibt er: "Mag sein, dass das mal besser wird,
wenn wir in Moskau sind aber bis dahin sind es noch 60 km  und das kann noch lange dauern".
Er hatte das Verwundetenabzeichen und die „Ostmedaille“ 1941/42,  den sogenannten
„Gefrierfleischorden“. 

Seine letzten noch vorliegenden Briefe sind vom 20.4. und  1.5.1944  von der eingeschlossenen
Krim, die – wie viele andere Orte – viel zu spät geräumt wurde.  Die letzten Soldaten wurden bis
zum  12.5. 1944  gerettet; die Verluste beliefen aufgrund der verbrecherischen Führung
auf ca 78.000 Soldaten, darunter mein Onkel, der seitdem vermisst ist.
(Siehe hiezu auch das Buch: Ostfront  1944, Alex Buchner, 1988, S. 97 ff – Krim-).


Erhöhen sich die Zahlen der gefallenen Soldaten, finden keine Ehrenbegräbnisse statt,
sondern es reicht ein DIN A5 Zettel aus schlechtem Papier
(der Gefallene ist nicht verwandt).

Eigene Anmerkung:

 „Stariza“ - Kleinstadt bei der Mündung des gleichnamigen Flüsschens "Stariza" in die Wolga
(1297 als Festung "Nowy gorod" gegründet). Stariza war vom 12.10.1941 bis 1.1.1942 von der
deutschen Wehrmacht besetzt. In diesem Frontbereich fanden schwerste Kämpfe statt, die mehr als
500.000 russische Tote kostete. Die deutschen Verluste werden auf ca. 80.000 beziffert.
Im Spiegel  Geschichte Nr. 3 / 2010-07-07 (S. 54 ff) werden sogar noch wesentlich höhere
Verlustziffern ermittelt. Der Frontabschnitt um Rschew  (etwa 200 km von Moskau entfernt)
wurde März 1943 von den Deutschen geräumt.

Literatur u.a.: Grossmann, Horst: Rschew – Eckpfeiler der Ostfront -

Im folgenden der letzte Brief meines Onkels  Karl Neumann.
Der Brief ist wohl noch vorsichtig optimistisch, da er wohl seine Eltern, die dem Bombenterror
in Düsseldorf ausgesetzt waren, nicht zusätzlich belasten wollte :

Brief Karl Neumann I

Brief Karl Neumann II


Bei nüchterner Betrachtung kann man feststellen, dass alle diese militärischen Auszeichnungen
mehr oder weniger für letztlich   Propagandazwecke  missbraucht werden. Sie sind  in der Regel
billiges  Material zur Verführung von Personen.

 

                                                                        Ende

 

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